Peter Resetarits
Redaktion Am Schauplatz
ORF-Zentrum Küniglberg
1136 Wien

Bürgermeister Arch.DI Karl Rudischer
Wiener Straße 9,
8680 Mürzzuschlag

 

Offener Brief „Die letzten Arbeiter“, Sendung vom 14. Jänner 2016

 

Sehr geehrter Herr Resetarits, sehr geehrte Redaktion,

die ORF Sendung Am Schauplatz vom 14.1.2016 um 21:05 Uhr hat zu Unrecht ein sehr negatives Bild von unserer Stadt gezeichnet, bewusst die wirtschaftliche und stadtpolitische Entwicklung der letzten Jahre ignoriert um eine sozialromantische These vom Nichtwahrhabenwollen des Niedergangs der Arbeiterschaft in einer Stahlregion aufrecht erhalten zu können. Natürlich, man findet immer und überall Menschen, die einem Hypothesen bestätigen. Und ja, für manche am Schauplatz Mürzzuschlag war der Strukturwandel traumatisch.

Ich widerspreche aber entschieden und vehement der Grundaussage dieser Sendung. Die von Frau Kovarik ständig wiederholten Suggestivfragen wie „Es ist schwer, Arbeit zu finden.“ „Überlegen Sie/ ihr Sohn, ob Sie/er weggehen/weggeht?“ „Aber wenn er keinen Job kriegt?“ verletzen das Objektivitätsgebot. Die Entwicklung der Stadt ist nach dem Einbruch der verstaatlichten Industrie in den achtziger Jahren, der eine Phase des einschneidenden Strukturwandels und einen Rückgang in der Einwohnerzahl mit sich gebracht hat, eine Erfolgsgeschichte. Dieser Aspekt fehlt komplett und hat bei großen Teilen der Bevölkerung Verärgerung ausgelöst, weil ihre Bemühungen, Mürzzuschlag als lebenswerte Stadt zu erhalten und auszubauen, ad absurdum geführt wurden. Sie haben nicht einmal ansatzweise versucht, sich in ihrer Recherche der Wahrheit anzunähern.

Hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit hohem Innovations- und Exportanteil

Mürzzuschlag hat 8.900 Einwohner. Grundlage für die gedeihliche Entwicklung ist der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Im Industriebereich sind nach der Krise der Vereinigten Edelstahlwerke rund 900 Arbeitsplätze in den Nachfolgebetrieben entstanden. Als wichtigstes Unternehmen und Leitbetrieb bietet die Böhler Bleche GmbH rund 550 Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz. Sie sagen: Industriearbeiter war einmal ein angesehener Beruf und zeigen in Schauplatzmanier einen Pensionisten, der sich hinter dem Vorhang seines Wohnzimmerfensters verbirgt. Ich sage: Wir sind stolz darauf, weltweit vorne mitzuspielen. Wir haben vielfach nicht die letzten, sondern die ersten Arbeiter! Böhler Bleche GmbH ist in vielen Bereichen in der Luftfahrt- und Chemieindustrie, im Werkzeugbau oder der Energietechnik Weltmarktführer. So kommen die Aufhängungen für die Triebwerke des Airbus A330 beispielsweise aus Mürzzuschlag. 2013 wurden € 11 Mio. in ein neues Duowalzwerk für Edelstahlbleche investiert, der Standort ausgebaut.

Liebe Schauplatzredaktion: Das finden Sie in Presseaussendungen, die Sie auch mit zwei Mausklicks im Internet finden.

Die Stadtgemeinde betreibt das WGM Gründerzentrum und beschäftigt einen eigenen Wirtschaftskoordinator, viele Startups konnten unterstützt werden, so manche neue Unternehmen sind dadurch entstanden. Wirtschaftsförderungen durch die Stadtgemeinde haben Initiativen der Unternehmen zu mehr Innovation erfolgreich unterstützt.

Im Industriepark Hönigsberg, der von der Gemeinde angelegt wurde, sind in der Zwischenzeit mehr als 200 neue Arbeitsplätze entstanden. Das Bauunternehmen Herbitschek hat in den letzten Jahren expandiert und beschäftigt rund 150 Personen in Mürzzuschlag. Das Landeskrankenhaus bietet 250 Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und medizinischem Fachpersonal einen sicheren Arbeitsplatz, noch heuer wird mit dem Bau eines neuen Pflegeheimes im Areal des Landeskrankenhauses begonnen, es entstehen 80 zusätzliche Arbeitsplätze.

Unsere Schulen, die Bezirkshauptmannschaft, das Finanzamt, viele Fachärzte und Dienstleistungsunternehmen sowie die Handelsbetriebe sichern Jahr für Jahr mehrere 100 Arbeitsplätze. Mit einem Budget von rund € 23 Mio. ist auch die Stadt selbst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Mürzzuschlag.

Ausgewogene Gebarung und vorbildliche Sozialleistungen

Die Stadtgemeinde hat nach wie vor ihr Familiensilber bewahrt. 900 Wohnungen, 700 ha Wald, die Stadtwerke Mürzzuschlag GmbH mit 110 Beschäftigten und einem Umsatz von 15 Millionen € pro Jahr, sowie die Sparkasse Mürzzuschlag stehen im Eigentum aller Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde.

Eine wichtige Unterstützung zur Bewältigung des Strukturwandels sind unsere Kulturinitiativen. Das Wintersport-, das Südbahn-, und das Brahmsmuseum sind anerkannte Einrichtungen und werden gut besucht, im Südbahnmuseum konnten wir im Jahr 2015 12.000 Besucher begrüßen. Das Kunsthaus Mürz strahlt über unsere Gemeindegrenzen aus und braucht den Vergleich mit kulturellen Angeboten der Großstädte nicht scheuen. Auch die Bücherei und das Jugendzentrum werden von den Nachbargemeinden frequentiert und dokumentieren die Bedeutung unserer Stadt als zentralen Ort.

Investitionen in die Zukunft

Der Semmering-Basistunnel als Teil der Baltisch-Adriatischen Verkehrsachse mit einem Investitionsvolumen von € 3 Mrd. wirkt sich schon jetzt sehr positiv auf Mürzzuschlag aus. Vergangenen Juli war Baubeginn beim Tunnel Gloggnitz. Heimische Betriebe werden beschäftigt, die Arbeitskräfte der überregionalen Unternehmen haben über viele Jahre ihren Lebensmittelpunkt in unserer Region. Unsere Stadt ist künftig sehr attraktiv an die Ballungsräume Wien und Graz angeschlossen, in weniger als 1 Stunde Fahrzeit erreichen wir zwei Flughäfen.

Die Stadtgemeinde hat in den letzten Jahren mehr als € 10 Mio. investiert und Einrichtungen wie das Hallenbad, das Sportzentrum und den Stadtplatz neu gestaltet, die Wohnstraße in der Wienerstraße errichtet und das alte Volkshaus in ein Hotel mit Restaurant sowie die Stadtsäle umgebaut. In der Grünen Insel wurde die FacharbeiterInnen-Akademie geschaffen, die gemeinsam mit dem Gymnasium, der neuen Mittelschule, der Handelsakademie und unseren Pflichtschulen für ein hohes Ausbildungsniveau sorgt.

Viele Besucher sagen mir immer wieder, dass sich Mürzzuschlag sehr positiv verändert hat, die etwas verschmutzte Industriestadt von früher ist zu einer attraktiven und liebenswerten Kleinstadt geworden in der man gut leben kann. Mit Ihrer einseitigen Darstellung haben Sie eine Gemeinde verärgert und ihrem Image zu Unrecht geschadet.

Arch.DI Karl Rudischer
Bürgermeister